#glückskind - der Tag an dem ich Mama wurde

Jetzt schreibe ich ihn also doch. Einen Geburtsbericht. MEINEN Geburtsbericht.

Warum ich es mir anders überlegt habe? Weil die mit den Horrorgeschichten gerne am lautesten schreien. Weil jede Schwangere sie kennt, die "Na warte, DU auch.... wirst schon sehen!" Sprüche und man oft verunsichert zurückbleibt.

Und vor allem, weil Geburt irgendwie immer noch ein Tabu-Thema ist.

Jede Geburt ist einzigartig und ja, Komplikationen kann es immer geben. Aber prinzipiell schlimm ist sie mit Sicherheit nicht.

Natürlich gilt: ich bin weder Hebamme noch Ärztin. Das ist kein sachlicher Text, sondern meine ganz persönliche Erfahrung. Nicht allgemein gültig und nicht einzig richtig.

Also dann los:

Schon Wochen vor der Geburt spürte ich immer wieder leichte (Übungs-)Wehen. Dachte ich anfangs noch "Autsch" habe ich sie mit der Zeit ganz bewusst genutzt, mich auf die Geburt einzustimmen, sie anzunehmen und mich auf das Kommende zu freuen.

 

Bei meinem CTG ca. zwei Wochen bevor Finn zur Welt kam, meinten sie im Krankenhaus: Bereits 2 cm offen, es kann jederzeit losgehen! Aber es sollten noch einige Tage vergehen...

Freitagmorgen erwachte ich um kurz nach acht - erst mal zur Toilette. Als ich gerade dabei war, mir die Hose wieder hochzuziehen, platzte meine Fruchtblase. Ohne mega Wassermassen, ohne Schnalzen im Bauch und ohne Geräusch.... also stand ich geschlagene fünf Minuten da und überlegte, ob ich mir vielleicht einfach in die Hose gemacht habe. Soll es ja geben bei Hochschwangeren... Mama angerufen. - Nein, klingt nach Fruchtblase.

Einmal tief durchgeatmet, den Mann in der Arbeit angerufen und die Kliniktasche kontrolliert. Wehen machten sich noch keine bemerkbar, also frühstücken und unter die Dusche.

Gegen zehn stiegen wir ins Auto (mit Handtuch auf meinem Sitz - jap, definitiv Blasensprung) und um kurz vor elf lag ich bereits im Kreißsaal. - 3 cm offen, meinte die super nette Hebamme. Darf bis morgen dauern, dann müssen wir eingreifen, sagte die nicht ganz so freundliche Ärztin. Diese machte noch einen Ultraschall und überreichte mir ein paar Papiere die ich unterschreiben und dann lesen sollte. (In dieser Reihenfolge!). Mittlerweile machten sich die Wehen doch bemerkbar und mir war es ehrlich gesagt vollkommen egal, was ich wo unterzeichnen sollte. Also Unterschrift daruntergesetzt und angefangen zu lesen. Nur um dann gleich wieder zu stoppen - drei A4 Seiten voll mit den schlimmsten Komplikationen die sich bei mir oder meinem Baby ergeben könnten. Was genau da stand, weiß ich bis heute nicht, ich habe mich nämlich geweigert weiter zu lesen. Ich hatte mich im Vorfeld gut informiert und jetzt würde es kommen, wie es kommt, Punkt. Mir das unter der Geburt zu geben, fand ich einfach nur Fehl am Platz. (Es stellte sich später heraus, dass sie mir die Zettel beim CTG-Termin hätten geben müssen.)

Nachdem die Hebamme noch ein paar Fragen gestellt hatte, mir ein Zugang gelegt und ich ans CTG angeschlossen wurde, waren wir für uns. Mittlerweile waren die Wehen gut spürbar. Den Kreißsaal verlassen und spazieren gehen, wollte ich nicht. Also saß ich kurze Zeit auf einem Gymnastikball und ging dann etwas auf und ab. Die Wehen veratmete ich auf das Waschbecken oder gegen meinen Mann gestützt. Als sie stärker wurden, wollte ich nur noch liegen.

Irgendwann schaute Raffaela, die super nette Hebamme, vorbei und gab uns Bescheid, dass ein Familienzimmer frei sei. (Wir hatten angefragt) Mein Mann solle sich dafür bei der Anmeldung melden. Dass Dominik weggehen sollte, bescherte mir den einzig panischen Moment während meiner gesamten Geburt. An mein Kopfkissen gekrallt und mit Raffaela an der Seite, die einfach nur bei mir saß, war aber auch das zu schaffen. Kurz darauf war mein Mann zurück und wir somit wieder alleine im Kreißsaal.

Gegen dreizehn Uhr schaute meine Hebamme noch einmal vorbei. Sie würde jetzt Mittag machen und dann nochmal vorbeikommen. O.K. für mich, ich konzentrierte mich mittlerweile sowieso nur mehr auf meinen Atem und darauf meinem Mann die Hand zu zerquetschen.

Circa eine Stunde später tauchte Raffaela wieder auf, schaute mich an und sagte "Alles klar, wir können in die Badewanne, wenn du willst. So wie du veratmest, bist du fast so weit."

War mir auf dem Bett noch furchtbar kalt und ich hatte totalen Schüttelfrost (oder war es einfach nur die Wucht der Wehen?), wurde es in der Badewanne schlagartig angenehmer. Wieder wurde der Muttermund getastet. 8-9 cm! Wir sind fast so weit! 

Was mein Körper dann machte, war einfach nur irre: ich hatte einen richtigen Glücks-Flash! Zu hören, dass ich bald aktiv mitarbeiten dürfe, dass ich tatsächlich gleich mein Baby kennenlernen würde, machte mich so unfassbar glücklich. So glücklich, dass ich lächeln musste. Und das überrasche meinen Mann und die Hebamme etwas. Als Dominik meinte: "Kann sie ernsthaft noch grinsen?!", musste ich fast ein bisschen lachen. Liest sich verrückt, ich weiß. Aber dieses unglaubliche Glücksgefühl werde ich bestimmt nie vergessen.

Es verging etwas Zeit und der Pressdrang wurde immer stärker. Als Raffaela meinte, sie würde die Ärztin wieder holen, konnte ich mich schon fast nicht mehr zurückhalten. Und dann konnte es auch schon losgehen: auf die nächste Wehe warten, Luftholen und 2-3 mal richtig mit schieben. Und wenn ich schieben schreibe, dann kommt es nicht mal annähernd an das Gefühl heran. Der Druck des Babys war einfach nur gewaltig und so intensiv, dass ich ihn nicht länger spüren wollte als nötig. Aber eine Geburt ist nun mal körperliche Höchstleistung und mich überkam die Müdigkeit. 

Gesagt zu bekommen, dass die Austreibungsphase (furchtbares Wort finde ich!) schon mal 1-2 Stunden dauern kann, ließ mich jedoch nur eines denken: Nein! Jetzt!

Wie viel Zeit genau verging, kann ich nicht sagen, aber von der Fixierung des Kopfes, bis zur Geburt, dauerte es nur eine Wehe. Der Druck ließ mit einem Mal nach und ich spürte, wie mein Sohn aus dem Wasser gehoben wurde. Hatte ich während der Geburt meist die Augen geschlossen, öffnete ich sie nun und sah als erstes: mein Kind! Etwas violett, schrumpelig, mit leicht verformten Kopf und ganz vielen dunklen Haaren. Da war er:

Mein Sohn. Finn. Geboren am 16. 11. 2018 um 15:07 mit 50 cm und 3070g. Nach circa sechs Stunden hatten wir es geschafft! Ich war unglaublich stolz. Auf ihn. Auf mich.

Noch in der Wanne wurde mir Finn auf die Brust gelegt. Und für ein paar Momente gab es nur ihn, mich und meinen Mann, der die ganze Zeit bei mir, neben der Wanne gesessen hatte.

Nachdem Dominik die Nabelschnur durchgeschnitten hatte und den Kleinen hielt, wurde mir aus der Badewanne geholfen. Auf dem Geburtsbett wurde erstmal weiter gekuschelt und dann mit neuer Kraft die Plazenta "geboren" (sagt man das so?). Von der Ärztin wurde ich schließlich noch genäht (den Riss hatte ich während der Geburt überhaupt nicht gemerkt!) und das war's. - Wir waren eine Familie.


Q&A

Wie sich die Wehen für mich angefühlt haben?

Gewaltig! Und überraschenderweise zogen sie nur ins Kreuz, nicht in den Bauch.  

In der Geburtsvorbereitung (Die friedliche Geburt) wurde es circa so beschrieben: Stell dir vor du stehst im Meer. Anfangs schwappen die Wellen (Wehen) vielleicht bis zu den Waden. Gegen Ende sind sie dann 20 m hoch.

O.K., dachte ich, dann mache ich es wie im Urlaub und "hüpfe" mit. - Aber so war es nicht. Die Wellen waren tatsächlich riesig. Und ich komplett "unter Wasser". Ich hatte das Gefühl, nur mehr daraus zu bestehen, mich regelrecht darin aufzulösen.

Aber bitte stell es dir jetzt nicht als einen so unglaublichen Schmerz vor. Denn ich würde dieses Gefühl nicht als Schmerz definieren. Und doch: Ich bin schon ziemlich wehleidig! ;-) Aber dieses Gefühl war einfach... ja übermächtig, aber nicht beängstigend. Ich glaube, den Unterschied zwischen übermächtig und schmerzhaft, ist ganz einfach: das Fehlen von Angst. Ich beschloss, es einfach geschehen zu lassen. Den Stoppen - vergiss es! Versteh mich nicht falsch, es ist natürlich kein Spaziergang. Es ist körperliche Höchstleistung! Es ist gewaltig! Aber eben nicht furchtbar. Besser kann ich es einfach nicht in Worte fassen.

Während der Eröffnungsphase (bis der Muttermund ganz geöffnet ist), hatte ich das Gefühl, von zwei ganz unterschiedlichen Wahrnehmungen. Das klingt jetzt abgehobener, als ich es meine.

Einerseits bestand mein ganzer Körper nur mehr aus dieser Wehe. Aber bewusst habe ich mich ganz klar nur auf drei Dinge konzentriert. Veratmen, die Wehen zu "bejahen" und entspannen. Immer wieder dachte ich daran, meinen Kiefer und meine Zehen zu lockern. Das einzige, was so richtig angespannt war, war die Hand, mit der ich die meines Mannes drückte - darüber war ich zwischenzeitlich etwas besorgt. Ob ich ihm damit vielleicht weh tue... und das während ICH unser Kind bekam. :-D

Zu den Presswehen: Stell dir vor, du musst groß auf die Toilette. Natürlich nicht genau so und viel stärker. (Nicht alle Frauen erleben es so, aber viele) Auf dieses Gefühl vorbereitet, warf es mich nicht so aus der Bahn. Und trotzdem fragte ich meine Hebamme, ob ich auf die Toilette dürfe. Durfte ich - was ich spürte, war allerdings der Kopf meines Kindes, der nach unten drückte. Sie erklärte es mir ganz einfach und wie ich finde, sehr gut:

Die beiden Stellen an unserem Körper liegen sehr nah beieinander, daher entsteht für uns dieser Eindruck. Und auch wenn das Gefühl nicht genau gleich ist: wir gehen in unserem Leben so viel häufiger zur Toilette, als ein Kind zu bekommen, dass wir uns mit dieser "Press-Anleitung" einfach leichter tun.

Dammriss - Oh Gott?

Keineswegs, tatsächlich habe ich davon nicht das kleinste bisschen gemerkt.

Vom Nähen hingen schon. Definitiv nicht angenehm, aber auszuhalten.

Kann man sich vorbereiten?

Ganz klares Ja! Und dafür halte ich drei Punkte für sehr hilfreich:

 

1. Besuche einen Geburtsvorbereitungskurs. Wenn möglich, gleich mit deinem Partner, oder deiner Begleitperson während der Geburt. Dabei geht es nicht, wie oft angenommen, um komplizierte Atemtechniken.

Mithilfe einer Puppe gezeigt zu bekommen, wie sich das Baby durch das Becken dreht, hat mir persönlich sehr geholfen. Einfach zu sehen: ja, das ist eng, aber definitiv machbar!

Und zweitens habe ich hier einmal alle Komplikationen und Möglichkeiten kennengelernt. Von einer Fachperson - nicht von Google!

2. Schreibe einen Geburtsplan. Ich habe meinen weder der Hebamme gegeben, noch jeden Punkt darauf "befolgt". Aber eines hat er bewirkt: ich habe mich im Vorfeld mit vielen Dingen auseinandergesetzt und dadurch eine gewisse Sicherheit gewonnen. Einfach zu wissen, was ich will und was nicht. Mit meinem Mann hatte ich die Punkte im Vorfeld auch besprochen. Als meine Begleitperson wusste er so über meine Wünsche Bescheid.

3. Bereite dich mental vor.

Alleine über diesen Punkt könnte ich ein paar Beiträge schreiben. Ich halte in für den aller wichtigsten!

Eines ist mir nämlich aufgefallen: Teilweise, wenn Frauen von ihrer schlimmen Geburt sprechen, sind es Dinge, mit denen man sich im Vorfeld auseinandersetzen kann. Zum Beispiel macht ihnen der Kontrollverlust zu schaffen. Denn dieses Baby kommt, da hilft es nicht "die Beine zusammen zu zwicken". Das einzige was das vielleicht bewirkt, sind Schmerzen. Auch höre ich öfter, wie überrascht diejenige von dem "Toiletten-Gefühl" war. Statt mitzuhelfen, wurde versucht zurückzuhalten. Usw.

Bei letzterem Beispiele hilft definitiv  der Geburtsvorbereitungskurs. 

Beim Öffnen und Loslassen, bist du entweder ein Naturtalent, oder du bereitest dich bewusst darauf vor.

Natürlich hatte ich auch Glück, dass alles so komplikationsfrei ablief.

Das ich nicht verkrampfte, ruhig veratmete und mein Baby extrem niedrige Stresswerte hatte, das verdanke ich der Vorbereitung. Durch das geringe Stresslevel wurde die Wassergeburt übrigens erst möglich. Und das in einem Krankenhaus, in dem es davon nur drei in einem Jahr gibt.

Und hier noch im Schnelldurchlauf ein paar Dinge, die ich gefragt wurde:

Ja/hatte ich

• mich mit "Die friedliche Geburt" vorbereitet und bei den leichten Wellen bewusst angewandt (danach war ich automatisch tiefenentspannt)

• zusätzlich war ich mit meinem Mann in einem Geburtsvorbereitungskurs für Paare

• Himbeerblättertee getrunken

• eine Nachsorgehebamme

- bei ihr hatte ich auch das Gespräch in der 18. SS-Woche und den Geburtsvorbereitungskurs.

• eine Kreißsaaltasche (wirklich gebraucht habe ich: Nachthemd und Strohhalm - glaubt mir, du willst keinen Becher halten)

Nein/habe ich nicht/war nicht

• in der Schwangerschaft viel Bewegung gemacht (ich musste im letzten Monat liegen)

• Akupunktur (wollte ich noch, aber Finn war schneller)

• PDA oder sonstige Schmerzmittel

• laut während der Geburt (getönt schon)

• die Hypnosen währenddessen gehört

• den "ich will nicht mehr Moment" - als ich bei 8-9 cm war, das aber noch nicht wusste, dachte ich jedoch "also wenn das jetzt erst 4 cm sind, brauche ich eine PDA"

• mich währenddessen übergeben

Aber bitte: Wenn du eine PDA möchtest (vorher informieren!) oder laut stimmlich "mitpressen" willst - Go for it! 


Natürlich könnte ich noch viel mehr schreiben, aber erstens ist das jetzt schon ein Mammut-Post und zweitens denke ich alles erzählt zu haben, was auch einen Mehrwert für die ein oder andere darstellen kann.

Um das Thema abzuschließen:

Für mich war die Geburt unglaublich intensiv und anstrengend, aber auf eine besondere Art schön.

Dieses Wunder würde ich um nichts auf der Welt missen wollen.

Den Beitrag zu meiner Schwangerschaft findest du hier.

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Kommentare: 2
  • #1

    Katrin (Sonntag, 07 April 2019 07:41)

    Hey! Ich bin über deine Erwähnung bei „Die friedliche Geburt“ hier gelandet und gerade in der 39. SSW. Was du hier geschrieben hast, macht unglaublich Mut und Vorfreude. Denn du hast total recht: Man hört vor der Geburt ungefragt meist nur die mit den Horrorgeschichten! Ich stelle mir eine Geburt (bis auf die Wanne) so vor wie du sie beschreibst, aber es als Bericht zu lesen ist noch etwas anderes. Danke für diesen wertvollen Beitrag und alles Gute für eure neue Zeit als Familie! Ich hoffe, bei uns ist es auch bald soweit :)

    Viele liebe Grüße
    Katrin

  • #2

    Céline Claire (Donnerstag, 11 April 2019 09:29)

    Liebe Katrin!

    Danke für deine lieben Worte, das freut mich wirklich sehr!
    Die Horrorgeschichten hören leider auch nach der Geburt nicht auf. Das reicht von "aber beim zweiten Kind!" über "Die Arme hat die höllischen Schmerzen verdrängt" bis zu "Das ist doch nur Angeberei". - Wie toll, wenn ich dir ein mutmachendes Beispiel sein darf.
    Und wichtig ist sowieso nur eines: Bleib bei dir, deiner positiven Einstellung und deiner eigenen - sicherlich - schönen Geburtserfahrung.

    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute, eine schöne Rest-Schwangerschaft, ein unvergessliches Geburtserlebnis und natürlich viel Freude mit eurem Baby!

    Alles Liebe
    Céline Claire